#infam inside

Neues zur Gründung und Trennung von Eltern in der Krise – Familien in der Krise – Initiative Familien

von Annette Bulut

Beteiligte erzählen unterschiedliche Versionen über die Gründung und Trennung von „Eltern in der Krise“ und „Familien in der Krise“, später umbenannt in „Initiative Familien“ – von Kritikern mit dem Hashtag #infam belegt.

Photo by Valera Evane on Pexels.com

Version 1 Mai 2020

Am 12. Mai 2020 veröffentlichte humiq.de ein Podcast-Interview mit CDU-Mitglied Diane Siegloch aus Wiesbaden. Darin bezeichnet sie sich selbst (ca. ab Minute 30:00) als Gründerin und Initiatorin von „Eltern in der Krise“ (EidK). Ein klarer Widerspruch zu der stets offiziell kommunizierten Version. Demnach gab es sechs Gründerinnen, keine davon war Diane Siegloch.

Im Februar 2021 schrieb ich Diane Siegloch dazu an und fragte sie wörtlich: „Was war Ihre Funktion in der EidK?, Sind Sie Gründungsmitglied der EidK?“. Anders als in dem podcast antwortete Siegloch: „Keine, war nur Mitglied der Facebook-Gruppe. Nein.“

Version 2 Januar 2021

Nach den Angaben einer Insiderin (Name der Redaktion bekannt) kannte Siegloch EidK-Gründerin Sarah Wehrs schon vor der Gründung. Auch lief die spätere Abspaltung wesentlich weniger harmonisch ab als nach außen dargestellt. Siegloch habe habe ständig Demos und Mahnwachen gefordert, Druck ausgeübt und eine erste Demonstration in Wiesbaden Ende April 2020 quasi im Alleingang organisiert. Nur Sarah Wehrs sei bei dieser allerersten Demo in Wiesbaden vor Ort gewesen und habe ein paar Worte gesagt. Erstaunlich sei gewesen, dass Siegloch sehr schnell viele Leute hinter sich gehabt habe und bis heute unerklärlich, wie sie das gemacht habe und woher diese kamen.

Noch bei „Eltern in der Krise“ soll es vor der Trennung laut Teilnehmern einen „legendären Call“ gegeben haben. Diane Siegloch habe darin gefordert, entweder könne sie das Kommando bei „Eltern in der Krise“ übernehmen oder sie spalte sich mit „Familien in der Krise“ ab.

Siegloch bestätigte den Call und erklärte zu meiner Frage, ob sie wirklich gefordert habe, das Kommando bei EidK zu übernehmen, wörtlich: „Diese Aussage ist falsch. Es ging darum, dass die 6 Gründerinnen von EidK eine Plattform aufgebaut hatten, über die sich eben auch andere sehr aktive Menschen zusammengefunden hatten (vor allem aus NRW und Hessen), die zu Anfang unter dem #elterninderkrise agiert haben und eben auch Demos und Petition organisiert haben. Wir wollten klären, wie eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe möglich wäre. Die EidKler meinten – grob gesagt – es wäre schon sehr viel Aufwand sich mit 6 Personen abzustimmen, daher wäre es schwierig noch mehr Personen in die „Führungsreihe“ aufzunehmen. Diesen Gedanken kann und konnten wir sehr gut nachvollziehen. Wir haben verschiedene Vorschläge vorgebracht, z.B. dass die 6 EidKler auf Bundesebene aktiv sein sollten, die Hessen eben in Hessen und die NRWler in NRW, sozusagen als Regionalgruppe. Bei keinem der Vorschläge sind wir zusammengekommen, daher kam es dann zur Trennung.“

Version 3 Februar 2021

In meinem Bericht bei „übermedien“ zitierte ich das offizielle schriftliche Statement der EidK-Gründerinnen zur Abspaltung der „Familien in der Krise“ von „Eltern in der Krise“ wir folgt: „Wir haben…sachlich und im Einvernehmen geklärt…besser unterschiedliche Wege gehen…um nicht mit Corona-Leugnern und Verharmlosern in Verbindung gebracht zu werden.“

Version 4 Februar 2021

Weiter berichtet die Insiderin, Siegloch habe in dem „legendären call“ erklärt, sie habe sich bereits die Domain für „Elterninderkrise.de“ gesichert. Siegloch erklärt später wörtlich dazu: „Die Sicherung der Domain hat allein Herr Balkaya (Anmerkung: SPD-Mitglied Önder Balkaya) vorgenommen. Er war zu Anfang mit uns „anderen“ im Gespräch und wollte sich ebenfalls von der EidK Gruppe lösen. Er hat sich scheinbar im Alleingang diese Domain gesichert, da die EidKler es versäumt hatten. So wie ich es mitbekommen habe, handelt Herr Balkaya mit Domains. Er hatte mal erwähnt ihm gehören über 2.000 Domains. Und er versprach sich von dem Erwerb, dass er die Seite irgendwann mal mit Gewinn. Wir haben in mehreren Gesprächen versucht, ihn zu überzeugen, die Domain an EidK zu übergeben. Leider erfolglos.“ 

SPD-Politiker Önder Balkay stritt auf Nachfrage vehement ab mit Domains zu handeln. Er hat die nächste Version über die Gründung der Elterninitiative. Balkaya erklärte mir gegenüber wörtlich: „Mit den Hackathon im März 2020 habe ich an einem Projekt „Parents in Pandemic“ mitgearbeitet. Hier haben wir uns bereits zahlreiche Domains wie ParentsinPandemic.de ParentsinPanic.de usw. gesichert. Ganz schnell wurde uns bewusst, dass wir einem deutschen Namen brauchen, der einfach ist. So bin ich auf die Domain elterninderkrise.de gekommen und habe es mir gesichert. Allerdings fanden die anderen beteiligten den Namen für unser Projekt zu negativ ausgeprägt und wir haben den englischen Namen behalten. Inzwischen ist unser Projekt unter dem URL team-pip.de erreichbar. Ich war viele Jahre im Jugendamtselternbeirat und Landeselternbeirat der Kindergärten in NRW aktiv und helfe immer noch mit meinem Projekt jaeb.nrw diesen Technisch im Internet weiter. Während der ersten Pandemie habe ich über die WhatsApp Gruppe für Jugendamtselternbeiräte jemanden kennengelernt und das Projekt Elterninderkrise.de gestartet. Zuerst waren wir zu zweit, dann zu fünft usw. Wir haben am 10.05.2020 die ersten Demos in mehreren Städten am gleichen Tag zusammen mit einer Online Demo veranstaltet.“

Exkurs:

Fakten, Hintergründe und Aktuelles

Die nach eigener Darstellung von mehrheitlich adligen berufstätigen Müttern gegründete Ursprungsinitiative „Eltern in der Krise“ wurde nach etwa einem Jahr aufgelöst. Der spin-off „Familien in der Krise“ ist seit Anfang 2021 unbenannt in „Initiative Familien“.

Die politisch sehr gut vernetzte Initiative Familien (IF) ist ein joint venture aus „Familien in der Krise“ (FidK) und „Kinder brauchen Kinder“ (KbK). Diane Siegloch (CDU Wiesbaden) ist eine der Schlüsselfiguren als Gründerin. Sie hatte zuvor bereits Kontakt zu Ex-Bundesministerin Kristina Schröder (CDU). Schröder ist vielfältig politisch aktiv. Sie gründete kürzlich den rechts-konservativen ThinkTank R21 und unterstützt die Initiative Familien offenbar bis heute. Ein Vorteil, denn Schröder hat Zugang zu Informationen wie die unveröffentlichten Beschlussvorlagen der #MPK.

FidK spaltete sich im Sommer 2020 von den „Eltern in der Krise“ (EidK) ab. Im Zeitraum ihrer Gründung schießen weitere Gruppen wie Pilze aus dem Boden: „Kinder brauchen Kinder“, „Es lebe die Schule“, „Corona-Eltern rechnen ab“, „Eltern stehen auf“, um nur ein paar zu nennen.

Wohl aufgrund einer Imagekrise wegen eines Twitter-Shitstorms und bisher nicht bewiesenen Astroturfing-Vorwürfen nannte sich FidK in IF um. Neuere Recherchen des freien Journalisten Gunnar Hamann belegen, dass Initiative Familien trotz gegenteiliger Beteuerungen einen fehlenden Mindestabstand zu #Querdenkern hat.

2021 ging ein Teil der FidK-Aktivistinnen in den radikaleren spin-off „Laut für Familien“ (LfF), deren zwei NRW-Vorsitzenden auch bei #Querdenker nahestehenden Aktionen wie #allesaufdentisch mitwirkte oder #friedlichzusammen initiierten.

Zudem gründeten die beiden NRW-Vorsitzenden Nicole Reese und Nele Flüchter die Partei „Lobbyisten für Kinder“.

Eine der „Eltern in der Krise“-Gründerinnen, Karline Wenzel, rief „pro-parents“ ins Leben.

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